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2. September 2026, Energie und Wohnen

Wenn die Nacht nie mehr dunkel wird – Stuttgart gegen Lichtverschmutzung

Am 11. September 2026 soll es dunkel werden – zumindest ein bisschen. Dann findet zum siebten Mal die bundesweite Aktion „Earth Night“ statt. Ab 22 Uhr sollen künstliche Lichtquellen so weit wie möglich ausgeschaltet werden, um ein Zeichen gegen Lichtverschmutzung und für den Klimaschutz zu setzen. Profitieren sollen davon vor allem Insekten und nachtaktive Tiere, deren Lebensräume und Verhaltensweisen durch künstliches Licht empfindlich gestört werden. Doch was steckt eigentlich hinter dem Problem, gegen das die Earth Night ein Zeichen setzen will?

Wirklich dunkle Nächte sind selten geworden. Über vielen Regionen liegt heute ein diffuses Leuchten, das den Blick auf den Sternenhimmel verwehrt. Bis zu viertausendmal heller als das natürliche Nachtlicht strahlen unsere Städte inzwischen in den Himmel. Was oft mit Fortschritt und Sicherheit begründet wird, hat einen Namen und eine Kehrseite: Lichtverschmutzung.
Gemeint ist damit die Aufhellung des Nachthimmels durch künstliche Lichtquellen – ein Phänomen, das gravierende Folgen hat und dennoch weitgehend unterschätzt wird. Denn die Dunkelheit ist kein Mangel, sondern ein Lebensraum. Nachtaktive Tiere sind auf sie angewiesen, tagaktive Arten brauchen sie zur Erholung. Zu viel Licht am falschen Ort und zur falschen Zeit bringt dieses fein austarierte System aus dem Gleichgewicht und beeinträchtigt Flora und Fauna erheblich.

Dabei läge die Lösung teilweise auf der Hand: Wer Beleuchtung bewusster einsetzt, schützt nicht nur die Natur, sondern spart zugleich Energie und Kosten. Grund genug, sich mit einem Problem zu beschäftigen, das bislang zu wenig Beachtung findet.

Was kann ich machen?

Mit wenigen einfachen Maßnahmen tragen Sie dazu bei, Lichtverschmutzung zu reduzieren, Insekten und nachaktive Tiere zu schonen und Energie zu sparen. Unsere Empfehlungen für den privaten Bereich:

Außenlicht aus: Schalten Sie alle Außenleuchten ab, die nicht unmittelbar der Sicherheit dienen. Verzichten Sie möglichst auf rein dekorative Außenbeleuchtung – besonders im Garten. Vermeiden Sie, Licht auf Bäume, Wiesen, Teiche oder andere Naturflächen zu richten.

Dauer reduzieren: Beleuchten Sie Außenbereiche nur dann und so lange, wie es wirklich nötig ist. Bewegungsmelder sind hier besonders hilfreich. Dauerlicht vermeiden; wenn möglich Zeitschalter einsetzen und Außenbeleuchtung spätestens um 22:00 Uhr abschalten.

Licht nach unten: Achten Sie darauf, dass Leuchten ihr Licht nach unten auf Wege und Eingangsbereiche richten. Je näher die Leuchten am Boden montiert sind, desto geringer ist Streulicht zur Seite. Streulicht nach oben sollte ganz vermieden werden.

Farbe und Intensität: Verwenden Sie warmweißes Licht (nicht mehr als etwa 2700 K) und bevorzugen Sie mehrere schwächere Leuchten gegenüber einer sehr hellen Quelle. Das ist schonender für Mensch und Tier.

Fenster abdunkeln: Schließen Sie abends Jalousien, Rollos oder Vorhänge. So dringt kein störendes Licht nach draußen und die Nacht bleibt dunkler.
Kleine Maßnahmen mit großer Wirkung: Sie erhöhen die Sicherheit dort, wo Licht gebraucht wird, und schützen gleichzeitig die Nachtruhe, Tiere und Umwelt sowie Ihren Geldbeutel.

Was macht die Stadt Stuttgart?

Zur Energiekrise im Herbst 2022 wurden in Stuttgart dauerhaft mehr als 30 Gebäude, Brunnen und Denkmäler gar nicht mehr beleuchtet. Seit Mitte 2025 wurden weitere Abschaltungen und Zeitsteuerungen umgesetzt. Ausgenommen sind lediglich wenige stadtgestalterisch relevante Gebäude wie das Rathaus oder die Stiftkirche, die temporär beleuchtet werden. Seit 2022 konnten damit insgesamt rund 230 Megawattstunden Strom eingespart werden. Mit dieser Summe könnte man mit einem E-Auto fast 30-mal um die Erde fahren. Hinzu kommen erste Abschaltungen von Straßenbeleuchtungen auf Außerortsstrecken.

Neben dem bewussten Abschalten ist ein weiterer Schwerpunkt die Umrüstung auf Energie sparende LED-Technik. Die Stuttgart Netze GmbH betreibt im Auftrag der Landeshauptstadt Stuttgart die öffentliche Straßenbeleuchtung. Ende 2025 waren bereits mehr als die Hälfte aller Straßenleuchten LED-Leuchten. Bis 2030 sollen sämtliche öffentliche Leuchtmittel im Stadtgebiet ersetzt sein. Zusätzlich erprobt die Stuttgart Netze GmbH intelligente Beleuchtungslösungen: Bis Mitte 2027 sollen weitere Beleuchtungen auf Außerortsstrecken zeit- oder präsenzgesteuert reduziert werden. Bewegungssensoren ermöglichen dabei eine bedarfsgerechte Anpassung der Helligkeit. Zudem werden verschiedene Lichtspektren erprobt, die für Menschen gut sichtbar sind, Insekten jedoch möglichst wenig beeinträchtigen.

 

Bildcredit: Till Credner, Projekt Sternenpark Schwäbische Alb.

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