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29. Januar 2024, #jetztklimachen-Preisträger

Engagiert für den Klimaschutz: Im Gespräch mit Lichter & Lenker

Ob Fahrradplatten, gerissene Kette oder kaputte Bremsen: Lichter & Lenker (ehemals Radwerkstatt 0711) macht die Räder der Stuttgarter*innen wieder fahrtüchtig. Mitarbeitende und Freund*innen der Hochschule für Technik bieten ehrenamtlich Hilfe zur Selbsthilfe an, geben in ihrer Pop-up-Werkstatt Reparaturtipps, stellen Werkzeuge und die wichtigsten Ersatzteile. Die sieben Gleichgesinnten vereint die große Leidenschaft für Fahrräder. Gemeinsam verfolgen sie das Ziel, mehr Räder auf die Straße zu bringen.

Im September 2023 wurden sie mit dem zweiten Platz des #jetztklimachen-Preises ausgezeichnet. Im Interview und im Video erzählt uns Projektleiterin Elena Schön von den Anfängen der Radwerkstatt. Und sie verrät uns, wie ihre ideale Fahrradwelt in Stuttgart aussieht.

1) Elena, welchen Tipp habt Ihr für Menschen, die gerne ihr eigenes Projekt aufsetzen möchten, aber noch nicht genau wissen, wie?

Elena Schön: Vernetze Dich mit Gleichgesinnten. Suche Dir Menschen, die sich für Dein Thema begeistern. Hier hilft es, mit möglichst vielen Leuten über die Idee zu sprechen. Mit zwei, drei Gleichgesinnten fällt es leichter loszulegen. Außerdem gibt es oft schon hilfreiche Strukturen und Netzwerke, bei denen man sich Unterstützung holen kann. Wir sind beispielsweise Mitglied vom Verein Deutsches Ehrenamt. Sie helfen uns etwa bei rechtlichen Fragen.

Werde mit den vorhandenen Mitteln möglichst schnell aktiv. Wichtig ist, direkt von Beginn an konkrete Aktionen umzusetzen, statt lange zu planen und Luftschlösser zu bauen. Wir hatten beispielsweise lange keine Website, haben uns aber ganz schnell einen Instagram-Account angelegt. Am Anfang hatten wir nur ein paar Werkzeugkoffer und drei Leute, die gerne an Rädern schrauben. So haben wir unsere ersten Reparatur-Aktionen durchgeführt und dabei gelernt, dass man mit wenigen vorhandenen Mitteln viel erreichen kann.

Tue Gutes und rede darüber! Sichtbarkeit ist gerade am Anfang sehr wichtig. Hier hilft es, mit Multiplikator*innen zusammenzuarbeiten. Wir haben die ersten Werkstätten an der Hochschule für Technik durchgeführt und konnten dort über den E-Mail-Verteiler alle Studierenden erreichen. Im zweiten Schritt haben wir mit der iba’27 kooperiert und in der Festivalzentrale auf der Königstraße unsere Pop-up-Werkstatt aufgebaut. Über diese Wege konnten wir sehr schnell Sichtbarkeit erreichen, wodurch sich viele neue Gelegenheiten ergaben – unter anderem der #jetztklimachen-Preis.

2) Wie geht’s weiter? Welche weiteren Ziele stehen an?

Elena Schön: Mit der Radwerkstatt wollen wir mehr Fahrräder auf Stuttgarts Straßen bringen und gleichzeitig Bürger*innen zeigen, wie sie mit wenigen Handgriffen ihre Fahrräder selbst reparieren können. Wir sind gerade dabei, einen eingetragenen Verein zu gründen. Als Verein können wir das Projekt langfristig auf solide Beine stellen. Wir setzen Kooperationen an unterschiedlichen Orten der Stadt um, beispielsweise ein gemeinsamer Werkstatt-Termin mit dem Landtag. Aber auch bei lokalen Anlässen wie Stadtteilfesten wollen wir künftig aktiv werden. Hier ist die Zusammenarbeit mit anderen Fahrrad-nahen Vereinen geplant, beispielsweise mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club ADFC oder der Bike Bridge, die Geflüchteten das Radfahren beibringen. Außerdem wollen wir in Zukunft Workshops und Ausfahrten anbieten, einen Equipment-Verleih aufbauen und im Sommer ein Fahrradfestival organisieren.

3) Wie sieht für Euch ein ideales Stuttgart aus?

Elena Schön: In einem idealen Stuttgart gibt es viel Freiheit und eine hohe Lebensqualität. Deshalb setzen wir uns dafür ein, Städte menschenfreundlich zu gestalten. Dazu gehört für uns eine gute Fahrradinfrastruktur. Durch unsere Angebote wie Pop-up-Werkstätten, Workshops und Austauschformate tragen wir dazu bei, eine lebendige Radkultur in Stuttgart zu schaffen. In einem idealen Stuttgart gibt es regen Austausch zwischen vielfältigen Menschen. Wir freuen uns schon heute über die hohe Diversität unserer Kund*innen: Menschen verschiedener Altersgruppen, Bildungsschichten und ethnischen Hintergründen nehmen unser Angebot in Anspruch. In einem idealen Stuttgart können alle gleichermaßen an nachhaltiger Mobilität teilhaben. Uns ist es besonders wichtig, die Radwerkstatt nach dem „pay what feels right"-Prinzip auch jenen zugänglich zu machen, die sich eine Reparatur in einer teuren herkömmlichen Fahrradwerkstatt nicht leisten können.

Mehr Informationen

Zur Website von Lichter & Lenker: https://radwerkstatt.hft-stuttgart.de/

BILDCREDIT: LUDMILLA PARSYAK / RECHTE: LANDESHAUPTSTADT STUTTGART

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